Worum geht’s?
Die operative Entfernung eines Tumors steht häufig im Zentrum einer onkologischen Therapie. Da sich Tumorzellen über das Lymphsystem schnell ausbreiten können, werden häufig aber nicht nur das Tumorgewebe, sondern auch Lymphknoten im Umkreis des Tumors entfernt. Durch die fehlenden Lymphknoten und das geschädigte Lymphsystem kann es im Anschluss zu Ansammlungen von Lymphflüssigkeit im Unterhautgewebe kommen: es entsteht ein sogenanntes Lymphödem. Betroffenen beschreiben eine Schwellung von Armen und Beinen, Schmerzen und eine Einschränkung in der Beweglichkeit der betroffenen Extremität.
Je mehr Lymphknoten bei einer Operation entfernt werden, desto höher ist die Gefahr ein Lymphödem zu entwickeln. Aktuelle Zahlen zeigen, dass etwa 20-30% aller Patientinnen mit Brustkrebs ein Lymphödem im Rahmen der Therapie entwickeln. Weitere Risikofaktoren sind u.a. eine Bestrahlung der Lymphbahnen, die Schwere der Erkrankung, Übergewicht und einseitige Belastungen.
Was kann ich erreichen?
Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten der letzten Jahre zeigen, dass Krafttraining Lymphödeme nach Brustkrebs OPs nicht negativ beeinflusst. Auch andere Arten von Bewegung haben keinen negativen Einfluss auf den Status des Lymphödems und können daher von Brustkrebspatientinnen meist sicher durchgeführt werden. Bewegung ist also nicht schädlich, sondern kann zu einem positiven Behandlungseffekt beitragen.
Was kann ich tun?
Prinzipiell gelten auch beim Lymphödem die generellen Bewegungsempfehlungen von mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Krafttraining sollte 2-3-mal pro Woche, am besten unter Aufsicht und unter dem Motto „starte niedrig und steigere langsam“ durchgeführt werden. Außerdem sollten Koordinations- und Mobilisationstraining sowie Übungen zur Verbesserung der Wahrnehmung und Sensomotorik in ein regelmäßiges Training integriert werden.
Spezielle Trainingsempfehlungen beim Lymphödem richten sich vor allem nach der Schwere und dem Auftreten möglicher Einschränkungen und beinhalten unter anderem:

- Verbesserung der Beweglichkeit im Schulter-Arm-Bereich (z.B. Dehnung der Brustmuskulatur und des Achselbereichs)
- Vermeidung von Schonhaltungen und asymmetrischen Bewegungsabläufe (Übungen zur Verbesserung der Aufrechten Körperhaltung)
- Förderung des Lymphabflusses (z.B. mittels „Handpumpe“ d.h. dynamisches Anspannen der Armmuskulatur)
Auch wenn Sport und Bewegung generell als sicher und ungefährlich einzustufen sind, sollten Betroffene mit Lymphödem folgende Dinge im Training vermeiden:
- Lang andauernde, statische (isometrische) Übungen
- Plötzliche, reißende Bewegungen
- Zu starkes Schwingen oder Kreisen der Arme
- Sportarten mit intensivem Körperkontakt
Sie sehen, ein Bewegungsprogramm kann auch bei Patientinnen und Patienten mit Lymphödem durchgeführt werden. Und auch wenn man ein Lymphödem nicht „wegtrainieren“ kann, profitieren Betroffenen von den weiteren positiven Effekten von Sport und Bewegung!